d-SLR Vergleichstest

SLR Kameras im Praxistest

Das Testen digitaler Kameras im Labor ist ein Verfahren, dass mit einem geringen Zeitaufwand und hoher Reproduzierbarkeit die Qualität digitaler Kameras erfassen und in einen messbaren Zusammenhang stellen soll. Dieses erfolgt in unserem Testlabor seit vielen Jahren mit grossem Erfolg. Von Zeit zu Zeit ist es aber notwendig diese Verfahren anhand von Kontrollen mit Bildern aus dem täglichen Leben zu überprüfen, was wir in Auszügen mit drei Spiegelreflexkameras einer Canon EOS 20D, einer Nikon D70 und einer Fujifilm FinePix S3Pro vergleichend getan haben.
Beurteilt wurden die Bilder auf einem kalibrierten und profilierten Monitor der Spitzenklasse. Die Kameras wurden der Vergleichbarkeit wegen alle mit Einzelfeld Autofokus und Programmautomatik im sRGB Modus und der Standardeinstellung betrieben. (Bitte beachten Sie, dass zur eigenen Beurteilung der Bilder ebenfalls ein Öffnen in einem Colormanagement-fähigen Bildbearbeitungsprogramm z.B. Photoshop und ein sauber kalibrierter und profilierter Monitor erforderlich ist.) Es wurden bewusst keine Rohdaten aufgenommen sondern JPEG Bilder in höchster Qualität, weil nur wenige Anwender die Zeit für die Einzelbildbearbeitung aufbringen wollen und deshalb überwiegend mit Jpeg arbeiten. Alle Bilder wurden aus der Hand aufgenommen, um praxisnahe Bedingungen zu schaffen.

Bevor wir anhand von Beispielbildern die Ergebnisse verdeutlichen, sollte vorweg genommen werden, dass alle drei Kameras in nahezu allen Situationen ordentlich belichtete Bilder mit einer guten bis sehr guten Qualität lieferten, die mit analogen Aufnahmen mehr als mithalten können. Die nachfolgend beschriebenen Unterschiede stellen das Tüpfelchen auf dem i heraus. Aus der großen Zahl der Bilder haben wir hier einige beispielhaft herausgegriffen.

Kinderportrait
Canon meistert dieses Portrait mit weich abgestimmten Lichtern, die nur in den Spitzen, aber noch tolerabel, ausfressen. Die Hauttonwiedergabe ist gut, wobei die Fuji einen noch etwas besseren Ton bei voller Lichterzeichnung aufweist.
Das Kinderportrait zeigt bei der Nikon eine recht steile Gradation mit ausgefressenen Lichtern. Das unangenehme ist der für die Nikon Kameras übliche harte Übergang zwischen den ausgefressenen Bereichen und dem Rest des Bildes. Der Hautton ist sehr ordentlich. Das übrige Bild wirkt aber deutlich kühler als bei Canon und Fuji.

Kinderportrait_Canon.jpg
Canon EOS 20D

Kinderportrait_Nikon.jpg
Nikon D70

Kinderportrait_Fuji.jpg
Fuji S3Pro

Innenraum
Der etwas kühlere Charakter der Nikon zeigt sich auch bei der Innenraum-Aufnahme. Der Kontrast ist etwas zu steil und geht auf Kosten der Lichter und Schattenzeichnung. Etwas wärmer und weicher abgestimmt zeigen sich die Aufnahmen der Canon und der Fuji, wobei die S3 Pro die beste Durchzeichnung in der Lichter aufweist.

Innenraum_Canon.jpg
Canon EOS 20D

Innenraum_Nikon.jpg
Nikon D70

Innenraum_Fuji.jpg
Fuji S3Pro

Vase
Bei diesem Bild zeigt sich die hervorragende Farbwiedergabe der Fuji ganz besonders. Ein reines Gelb und leuchtende Grüntöne lassen das Bild natürlich und angenehm erscheinen. Das sehr rötliche Gelb der Canon, das sich auch in die Grüntöne hinein zieht wirkt nicht so natürlich. Die Nikon liegt genau zwischen den beiden.

Vase_Canon.jpg
Canon EOS 20D

Vase_Nikon.jpg
Nikon D70

Vase_Fuji.jpg
Fuji S3Pro

Blume
Bei der Blume fehlt es dem Bild der EOS 20D an Sättigung und dem Bild der Nikon an Detailzeichnung in den gesättigten Bereichen. Auch bei diesem Motiv weist die Fuji mit natürlicher Farbe, vorhandener Sättigung und guter Detailzeichnung die Richtung.

Blume_Canon.jpg
Canon EOS 20D

Blume_Nikon.jpg
Nikon D70

Blume_Fuji.jpg
Fuji S3Pro

Obst
Für dieses Motiv liegt die Wiedergabe der drei Kameras recht eng beieinander. Die D70 ist wieder etwas kühler abgestimmt und die S3Pro zeigt kräftige aber natürliche Farben. Die Canon liefert etwas blasse Farben.

Obst_Canon.jpg
Canon EOS 20D

Obst_Nikon.jpg
Nikon D70

Obst_Fuji.jpg
Fuji S3Pro

Terrasse
Dieses ist das einzige Bild, bei dem die automatische Belichtung der Fuji wirklich versagt und das Bild überbelichtet hat. In einem solchen Fall hilft dann auch kein höherer Dynamikumfang. Das Bild der D70 ist recht knapp in der Belichtung, was aber die Lichterzeichnung erhält und ein leichtes nachträgliches Aufhellen ist auch bei JPEG Aufnahmen möglich. Die Canon liegt auf der Grenze zwischen schon ausfressenden Lichtern und guter Schattenzeichnung.

Liege_Canon.jpg
Canon EOS 20D

Liege_Nikon.jpg
Nikon D70

Liege_Fuji.jpg
Fuji S3Pro

Farn
In der Durchzeichnung des Holztisches dieser Szene zeigt sich der Vorteil des höheren Dynamikumfangs der S3Pro. Ist der Tisch bei den beiden anderen nahezu ohne Zeichnung, so zeigt das Bild der Fuji noch deutlich die Maserung des Holzes. Die übrigen Bereiche im Bild sind jedoch sehr ähnlich abgestimmt.

Farn_Canon.jpg
Canon EOS 20D

Farn_Nikon.jpg
Nikon D70

Farn_Fuji.jpg
Fuji S3Pro

Bad
Auch in diesem Bild, das bei allen Kameras mit einer Belichtungskorrektur von -1 Blende aufgenommen wurde, zeigt sich die neutralste und am besten durchgezeichnete Aufnahme bei der S3Pro. Der Unterschied zu den beiden anderen ist jedoch nicht wirklich gravierend.

Bad_Canon.jpg
Canon EOS 20D

Bad_Nikon.jpg
Nikon D70

Bad_Fuji.jpg
Fuji S3Pro

Fazit
Alle drei Kameras weisen eine sehr ordentliche Belichtung und Farbwiedergabe auf und sind für den professionellen Einsatz zu empfehlen. Abgesehen von einem Ausreisser liefert jedoch die Fuji Finepix S3Pro die beste Farbwiedergabe und in einigen wenigen Grenzfällen macht sich auch das leichte Plus an Dynamik bildverbessernd bemerkbar. Ob dieser Vorteil den höheren Anschaffungspreis gegenüber den Mitbewerbern rechtfertigt, muss jeder für sich entscheiden.

6 Gedanken zu “d-SLR Vergleichstest

  1. Leider hat der Autor des Tests einen sehr wichtigen Faktor für Bildqualität vergessen. Das Objektiv. Selbst wenn er ein Fremd-Hersteller-Objektiv gleicher Bauart für die Kameras verwendet hat, so ist die von jedem Hersteller bekannte Qualitätsstreung ersichtlich gross (auch wenn die Hersteller das verneinen). Nicht jedes Objektiv passt zu jedem Chip (leidvolle eigene Erfahrung). Besonders bei Digitalfotografie sind Faktoren, wie Kontrast, MTF (Modulationstransferfaktor), chromatische Abberation, Viggnetierung, Farbstich usw. wichtig. Bei Digitalkameras eher Rausch-und Langzeitbelichtungsverhalten sowie allgemeines Kamerahandling, sprich Bedienungsfreundlichkeit.

    Aus diesem Grund ist der Test als zu ungenau anzusehen. Die dargestellten Qualitätsunterschiede sind für fast jedes zu fotografierendes Motiv unerheblich. Der /die Fotograf/in macht das Bild und nicht die Kamera. Und darin sind weitaus mehr Unterschiede zu finden, als bei der Technik. Und bitte noch etwas, glauben Sie nicht allem, was Die Werbung als “eierlegende Wollmilchsau” anpreist. Selbst ist die Frau/Mann.

  2. Ich hoffe es ist Ihnen nich entgangen, dass es in dem Test nicht um Auflösungsbetrachtungen ging sondern um Farbwiedergabe und Dynamikumfang. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die vollständigen Messdaten und Betrachtungen zum Handling können in Color Foto nachgelesen werden. Es ging in diesem Test um eine vergleichende Betrachtung der o.g. Bildqualitätsparameter in alltäglichen Motiven. Dass es mit verschiedenen Objektiven unterschiedliche Ergebnisse gibt ist mir klar. Schließlich war ich der erste, der die Objektivtests Kameraabhängig entworfen hat und diese für Color Foto durchführt.

    Noch etwas am Rande:
    MTF bedeutet Modulation Transfer Function oder Modulationsübertragungsfunktion. Einen Faktor gibt es hier ausnahmsweise mal nicht.

  3. “Selbst ist die Frau/ Mann” ist die Anwort auf diesen Test. Die abge-
    bildeten und bewerteten Vergleichsfotos lassen den Mitdenkenden hinter seiner Kamera (deren Verhalten man kennen sollte) im Stich – einfach zu theoretisch. Und noch etwas zu den Objektivtests: Color Foto war schon immer ungenau u. wenig aussagefähig. Aus eigener Erfahrung u. im Vergleich mit Praxistests gab es einfach zu viele
    Ausreißer (um nicht zu sagen schlimme Entgleisungen). Da lag z.B Foto Magazin eindeutig besser am Vergleichsmaßstab. Übrigens ist es
    dem US-Digital-Guru George L. Lepp bisher nicht gravierend aufgefallen, daß es dramatische Unterschiede zwischen Analog- u.
    Digitalobjektiven gibt. Es ist eben immer die Frage, ob man ein Technik- oder ein Praxis-Freak ist.

  4. Lieber Herr Heine,
    ich weiss nicht, was an den hier gezeigten Bildern zu theoretisch ist?
    Die Äußerungen zu Color Foto und FotoMagazin sind mir auch etwas zu schwammig. Für die angeblichen Entgleisungen hätte ich gerne Beispiele. Ohne die stelle ich die Äußerung zunächst in Frage.
    Die Äußerung zu den Digitalobjektiven hat zwar mit dem hier beschreibenen Test nichts zu tu, aber das wäre ein interessantes Thema für einen zukünftigen Beitrag und ich habe ein paar spannende Anmerkungen dazu. Hier haben Sie recht Herr Heine, dass die Unterschiede in vielen Fällen nicht darmatisch sind. Aber versuchen Sie doch einmal die Nikon Digitalobjektive an einer analogen Kamera zu verwenden. Der Bildkreis ist zu klein und deshalb gibt es Abschattungen zum Rand. Mehr dazu vielleicht demnächst.

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